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Heinrich Zschokke *1771 †1848
Biografie | Quellen | Links
| 1771 | am 22. März wird Johannes Heinrich Daniel Zschokke in Magdeburg geboren. Schon sieben Wochen später stirbt seine Mutter. Sein Vater ist Altmeister der Magdeburger Tuchmacherinnung und hat sich im siebenjährigen Krieg durch Tuchlieferungen an die preußische Armee einiges Vermögen erworben. Er kümmert sich kaum um sein jüngstes Kind, bemerkt jedoch seine Begabungen und will ihn zum Gelehrten machen lassen. |
| 1778 | Zschokkes Vater stirbt. Heinrich wird erst von einem Onkel, dann von einer Schwester aufgenommen. Das phantasievolle Kind ist jedoch nicht zu bändigen. Im Gymnasium in Altstadt frißt er in Rektor Elias Kaspar Reichards Bibliothek Wissen ungeordnet in sich hinein: Shakespeare, Spinoza, Swedenborg, Schiller, ... |
| 1788 | als ihn sein Vormund für den Besuch an der Universität noch für zu jung hält, macht er sich am 22. Januar auf nach Schwerin. Dort findet er eine Hofmeisterstelle beim Hofbuchdrucker Bärensprung. Bald läßt er sich jedoch von Baron von Schlabrendorf zu einer Prenzlauer Theatergesellschaft holen, wo er Stücke für die Aufführung überarbeitet. |
| 1789 | die Theatergesellschaft zieht im Frühling nach Landsberg an der Warthe (heute: Gorzów Wielkopolski), löst sich jedoch im gleichen Sommer auf. Zschokke bleibt zurück, um sich auf den Besuch an einer Hochschule vorzubereiten. Außerdem läßt er sich von zwei Juden in Mosaismus und Talmudismus einführen. |
| 1790 | zu Ostern beginnt Zschokke ein Theologiestudium an der Frankfurter Universität Viadrina, hört aber auch juristische und philosophische Collegien. Er erregt Aufsehen mit einer Grabrede für einen Studenten. Er hat nur wenige Freunde und diese halten sich von studentischen Gelagen fern. Deshalb nennt man sie die "Chokoladebrüder". Diese übten sich jedoch in feingeistigen Spielen. So trugen sie aus dem Stegreif dramatische Stücke vor mit dem Ergeiz, daß niemand den Ausgang im Voraus erraten könne. |
| 1794 | erscheint ein Roman Zschokkes über den venezianischen Banditen Abellino, der auf einen solchen dramatischen Vortrag zurückgeht. Die Studien befriedigen Zschokke nicht. Zweifel an Gott und der Welt quälen ihn. Auf die Ermahnung des Prof. Hausen hin schließt er seine Studien ab und besteht rasch nacheinander in Frankfurt das Examen der philosophischen Fakultät und in Küstrin das der theologischen Wissenschaften. Zschokke wird Mitglied der königlichen Societät der Wissenschaften und tritt dem Freimaurerorden bei. Er verbringt ein halbes Jahr in seiner Heimatstadt Magdeburg, wo er wegen seiner warmherzigen Predigten um ein Haar (es fehlte ein Stimme) zum Pastor der St.Katharinenkirche ernannt wird. Im Winter beginnt er Privatvorlesungen in Frankfurt (Oder) über Welt- und Kirchengeschichte, Exegese des neuen Testaments, Naturrecht, Ästhetik und Moralphilosophie. Gleichzeitig studierte er Naturkunde, Finanz-, Polizei- und Forstwesen und neueste Zeitgeschichte. Als in Frankreich die Revolution ausbricht, begrüßt Zschokke sie stürmisch in Flug- und Zeitschriften. Obwohl sich Oberconsistorialrath Irwing in Berlin und die Professoren Steinbart und Hausen sehr für ihn einsetzen, erhält er wegen seiner leidenschaftlichen Parteiergreifung keine außerordentliche Professur an der Frankfurter Universität Viadrina. |
| 1795 | Zschokke erfaßt Widerwillen gegen die Kathedertätigkeit, verläßt Franfurt im Mai und wandert über Berlin, Leipzig, Bayreuth, Nürnberg und Stuttgart in die Schweiz. Überall wurde er als Dichter des "Abellino" gefeiert. Zschokke traf in Zürich Pestalozzi, Caspar Hirzel, J.J. Hottinger und Leonard Meister, in Bern die Professoren Ith und Tralles, die Staatsmänner Rengger und Stapfer kennen, die aber alle nichts mit seinen ideologischen Vorstellung anfangen konnten. |
| 1796 | in Zürich hatte er Ernst Oelsner kennen gelernt, bekannt durch seine "Briefe aus Paris". Mit diesem trat er im Frühjahr eine Reise nach Paris an. Die Stadt beraubt ihn seiner träumerischen Vorstellungen. Er kehrt zurück in die Schweiz und übernimmt als Eigentümer ein Seminarium in Haldenstein, Marschlins und Jenins (Graubünden). In diesem wird nach den Grundsätzen Basedows unterrichtet und durch durch Zschokkes Übernahme wird es dem hinderlichen Einfluß politischer Parteien entzogen. |
| 1798 | erscheinen in Zürich "Historische Skizzen der drei ewigen Bünde im hohen Rhaetien", womit er dem ganzen Lande dienen, dem Volke seine Geschichte erzählen und einen Wegweiser für die Zukunft bieten will. Im gleichen Jahr zerbricht die schweizerische Eidgenossenschaft. Zschokke ergreift Partei für den Verbleib Graubündens in der Schweiz und sieht sein Leben bedroht. Er flieht am Morgen des 8. August auf einem Floß rheinabwärts in das schweizerische Dorf Nagaz. Hier wirkt er als Anwalt der geflüchteten Graubündner, bis die Österreicher im Oktober Graubünden besetzen und Zschokke seine Aufgabe, für Graubünden zu wirken, als hinfällig betrachtet. Er übernimmt von Pestalozzi die Zeitschrift "Aufrichtiger und wohlerfahrener Schweizerbote", der schweizerisch-vaterländischen Gesellschaften als vermittelndes Band dient. |
| 1801 | im Winter wohnt Zschokke in Bern und pflegt Umgang mit Heinrich von Kleist, Ludwig Wieland (dem Sohn des Dichters) und dessen Schwiegersohn Heinrich Geßner, dem schweizer Nationalbuchdrucker. |
| 1804 | nachdem durch die Napoleonische Mediationsacte (Februar 1803) Frieden in die Schweiz eingezogen und das Aargau eingezogen ist, wird Zschokke zum Beamten berufen. Er erhält die eidgenössische Staatsbürgerschaft und wird Mitglied des Oberforst- und des Bergamtes. |
| 1805 | Zschokke heiratet am 25. Februar die 18jährige Pfarrerstochter Nanny Rüsperli; Johann Peter Hebel begrüßt das Paar mit einem Festgedicht. |
| 1830 | seine Geburtsstadt Magdeburg ernennt Zschokke zu seinem Ehrenbürger. |
| 1848 | Heinrich Zschokke stirbt am 27. Juni auf dem Gut Blumenhalde bei Aarau und hinterläßt zwölf Söhne und eine Tochter. |
- Allgemeine Deutsche Biographie. - München; Leipzig. 1912 (Band 56: Generalregister)
- Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller / Hamberger, Georg Christoph; Meusel, Johann Georg. - 5. Aufl. - Lemgo. - 1796-1834 (23 Bde)
- Neuer Nekrolog der Deutschen. - Ilmenau. - 1824-56 (30 Bde)
- Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit : In Bildern von Friedrich und Hans Hasler / Hartmann, Alfred. Baden (Aargau). - 1868-71 (2 Bde)
- Deutsches Dichterlexikon : Biographische und bibliographische Mittheilungen über deutsche Dichter aller Zeiten. Unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwart für Freunde der Literatur zusammengestellt / Brümmer, Franz. - Eichstätt; Stuttgart. - 1876-77 (2 Bde. u. Nachtrag)
- Lebensbilder hervorragender Forstmänner und um das Forstwesen verdienter Mathematiker, Naturforscher und Nationalökonomen / Heß, Richard. - Berlin. - 1885
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